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Die Frage nach der Zulässigkeit einer zweiten Hinrichtung von Romell Broom wird bis heute vor Ohios Gerichten verhandelt.

Der zentrale Punkt des Verfahrens ist die Frage, ob ein zweiter Hinrichtungsversuch eine grausame und unsittliche Bestrafung darstellen und somit gegen die amerikanische Verfassung verstoßen würde.

Ohios umstrittene Hinrichtungsprotokolle seit 2009

Nach der gescheiterten Hinrichtung von Romell Broom führte Ohio ein neues Hinrichtungsprotokoll ein, das nur noch ein Mittel verwendete. Die neue Giftspritze sollte eine hohe Dosis des Narkosemittels Sodium Thiopental enthalten.
Das neue Hinrichtungsprotokoll von Ohio beinhaltet außerdem einen Plan B, der es erlaubt, die intramuskuläre Back-up Methode als primäre Hinrichtungsmethode einzusetzen, falls ein intravenöser Zugang problematisch erscheint. Dabei können zwei Substanzen Midazolam, ein Beruhigungsmittel, und Hydromorphon, ein Schmerzmittel, immer wieder in einen beliebigen Muskel injiziert werden, solange bis der Delinquent tot ist.

Nachdem der amerikanische Hersteller von Thiopental, Hospira, die Produktion eingestellt hatte und europäische Hersteller von Thiopental sich weigerten, ihre Medikamente an amerikanische Gefängnisse zu verkaufen, die damit Menschen hinrichten, änderte Ohio im Jahr 2011 sein Hinrichtungsprotokoll erneut und fing an, Pentobarbital statt Thiopental zu verwenden, Während Thiopental als Narkosemittel in Krankenhäusern zum Einsatz kommt, wird Pentobarbital vornehmlich in der Tiermedizin verwendet.

Auch der Hersteller von Pentobarbital, der dänische Pharmakonzern Lundbeck, verurteilte den Gebrauch seines Produktes für die Tötung von Menschen und stellte die Lieferung an amerikanische Gefängnisse, die Hinrichtungen durchführen, ein.

Gegen Ende des Jahres 2013 waren Ohios Reserven an Pentobarbital aufgebraucht und es blieb der Ohioer Gefängnisbehörde nichts anderes übrig, als das Hinrichtungsprotokoll erneut anzupassen, zum dritten Mal seit Romell Brooms gescheiterter Hinrichtung.
Die neue Hinrichtungsmethode sah den Gebrauch eines Cocktails aus 2 Substanzen, Midazolam, einem Beruhigungsmittel, und Hydromorphon, einem Schmerzmittel, vor.

Der erste Todeskandidat, den Ohio im Januar 2014 nach Anleitung der vorher nie erprobten Methode hinrichtete, war Dennis McGuire.

Sein Todeskampf nach der Injektion von Midazolam und Hydromorphon dauerte 26 Minuten. Journalisten, die bei der Hinrichtung zugegen waren, berichteten, dass Dennis den langsamen Tod durch Ersticken starb, sein Körper sich verkrampfte und man durch die Glasscheibe hören konnte, wie er verzweifelt nach Luft schnappte.

Die Ohioer Gefängnisbehörde veröffentlichte ein Statement, in dem es diese Augenzeugenberichte zurückwies und bekräftigte, dass die verwendeten Gifte genau wie geplant gewirkt hatten und Dennis McGuire keinerlei Schmerzen erlitten hatte.

In der Folge der kontroversiellen Hinrichtung von Dennis McGuire ordnete U.S. Bezirksrichter Frost einen vorübergehenden Stopp für alle geplanten HInrichtungen in Ohio an.

Dennis McGuires Familie reichte eine Klage beim Bundesgerichtshof in Ohio ein, andere Gerichtsverfahren folgten.

Midazolam, eine der in Dennis McGuires Todesspritze verwendeten Substanzen, kam als Substanz für Hinrichtung immer mehr unter Beschuss. Die Hinrichtung von Joseph Wood in Arizona im gleichen Jahr wie diejenige von Dennis McGuire zog sich über 2 Stunden hin. Während dieser 2 Stunden spritzte das Hinrichtungsteam immer wieder Midazolam und Hydromorphon, schockierende 15 Male, bis Joseph Wood verstarb.
Ärzte stuften Midazolam als unbrauchbar für Hinrichtungen ein, " da es nicht potent genug sei, um die Verurteilten bewusstlos zu machen und daher nicht ausgeschlossen werden kann, dass jene während der Hinrichtung heftige Schmerzen erleiden."

Vorräte an Hinrichtungsgiften gingen allmählich in ganz Amerika zur Neige, da Hersteller, unter dem Druck von Todesstrafengegnern, den Verkauf ihrer Medikamente an Gefängnisse, die mit ihnen die Todesstrafe vollstrecken wollten, einstellten.

Ohio und andere Bundesstaaten versuchten jahrelang erfolglos, neue Beschaffungsquellen für die in Hinrichtungen einsetzbaren Substanzen zu erschliessen.

Die Verknappung von Todesgiften führte in Ohio zu einem Moratorium der Vollstreckung der Todesstrafe von 2014 bis 2017.

Im Jahr 2016 gab Ohio bekannt, dass es über neue Vorräte an Hinrichtungsgiften verfügte - die Beschaffungsquelle blieb ein Geheimnis.
Es wird zunehmend schwieriger, Informationen über Ohios Vorrat an Hinrichtungsgiften zu bekommen - dank eines Geheimhaltungsgesetzes, das 2014 verabschiedet wurde und das fast alle Details über die Gifte, einschließlich ihrer Herkunft und Ihres Verfallsdatums, vor Einsichtnahme Dritter schützt.
Außerdem änderte Ohio erneut die Zusammensetzung der Giftspritze und übernahm die Methode der Hinrichtung mit 3 Substanzen, die andere Bundesstaaten bereits einsetzten: Midazolam, gefolgt von einem Lähmungsmittel und dem zum Herzstillstand führenden Potassium Chlorid.

Urteile im Fall Romell Broom

Im März 2016 entschied der Oberste Gerichtshof in Ohio mit 3 zu 4 Stimmen, dass Ohio ein zweites Mal versuchen dürfe, den zum Tode verurteilten Romell Broom hinzurichten. Das Oberste Gericht von Ohio befand, dass ein zweiter Hinrichtungsversuch weder gegen die verfassungsrechtliche Klausel gegen eine zweimalige Bestrafung für dasselbe Verbrechen noch eine grausame oder unübliche Bestrafung darstelle.

Die Oberste Richterin Judith French widersprach: "Die Entscheidung der Mehrheit, Romell Broom keine Beweisanhörung seiner Klage auf Grundlage des achten Verfassungzusatzes zu gewähren, ist in Hinsicht auf das Gesetz und die Tatsachen falsch und inkonsequent in der Begründung. Da der Staat nicht erklären kann, warum die Hinrichtung von Romell Broom falsch lief, so kann der Staat auch nicht garantieren, dass es beim nächsten Mal anders sein wird." In einem separaten Widerspruch schrieb der Oberste Richter William O'Neill: "Wenn man sich den Bericht über den ersten Hinrichtungsversuch von Romell Broom durchliest, kann man nicht leugnen, dass Romell Broom gefoltert wurde, Und jetzt sagen wir, lasst uns das noch einmal machen."

Im August 2016 reichte Romell Broom eine Klage beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein, dass ein zweiter Hinrichtungsversuch verfassungswidrig sei.

Die Obersten Verfassungsrichter lehnten in einem 6-2 Urteil Romell Brooms Antrag auf eine Anhörung seines Falles ab.

Im Juli 2017, nach einer 3 einhalb jährigen Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe, nahm Ohio seine Hinrichtungspraxis wieder auf - mit dem neuen Protokoll, das die Verabreichung von drei Substanzen vorsieht: das Betäubungsmittel Midazolam Hydrochloride, das Lähmungsmittel Rucoronium Bromide und Potassium Chloride, das den Herzschlag stoppt. Ohio verwendet also genau dieselbe Substanz wie in der verpfuschten Hinrichtung von Dennis McGuire in 2014.

Im Mai 2017 setzte Ohios Oberster Gerichtshof das Datum für die zweite Hinrichtung Romell Brooms fest: 17. Juni 2020.

Die Richter von Ohios Oberstem Gerichtshof gaben grünes Licht für einen zweiten Hinrichtungsversuch, weil sie, so die Urteilsbegründung, Romell Brooms Klage nicht die Schlussfolgerung zulasse, dass ein zweiter Hinrichtungsversuch voraussichtlich mit Schmerzen verbunden sei.
Wenn das Hinrichtungsteam sich nur strikt an die Regeln des Hinrichtungsprotokolls halte, sei garantiert, dass die Hinrichtung verfassunggemäß - das heisst ohne Qualen - verlaufe. Angesichts der ersten verpfuschten Hinrichtung von Romell Broom, bei der das Team genau nach Regeln vorging, jedoch 2einhalb Stunden in den Venen herumstocherte, um einen IV Zugang zu legen, und in Anbetracht der vergangenen qualvollen Hinrichtungen von Dennis McGuire und Joseph Wood, die mit Midazolam durchgeführt wurden, das auch für Romell Brooms Hinrichtung verwendet werden soll, erscheint der Plan einer zweiten Vollstreckung der Todesstrafe an Romell Broom als obszön und absurd.

Romell Brooms Anwälte haben gegen die geplante zweite Hinrichtung erneut Berufung eingelegt.

Aufklärung des Mordes an Gloria Pointer

Im Mai 2013 wurde aufgrund einer DNA-Analyse der 59-jährige Hernandez Warren aus Cleveland der Vergewaltigung und Ermordung der 14-jährigen Gloria Pointer überführt und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Romell Broom hat in seinem Brief an Yvonne Pointer offensichtlich die Wahrheit geschrieben.